Buchbesprechung: Best Practices für Übersetzer und Dolmetscher

Best Practices – Übersetzen und Dolmetschen: Ein Nachschlagewerk für Sprachmittler und Auftraggeber, Angelika Ottmann (Hrsg.)

In der Übersetzerbranche wird viel diskutiert. Es gibt zahllose Meinungen darüber, wer in welcher Form und für welche Preise welchen Kunden welche Dienstleitungen anbieten soll. Dummerweise ist die Welt der Sprachmittler sehr heterogen. Je nachdem mit welchen Sprachenpaaren, welchen Schwerpunkten und welchen Kundenkategorien Übersetzer arbeiten, können sie ganz unterschiedliche Erfahrungswerte und Empfehlungen haben. Die Erfahrungswerte und Empfehlungen der Übersetzer, die mit anderen Sprachen oder in anderen Industrien tätig sind, müssen nicht unbedingt damit übereinstimmen.

Das Buch “Best Practices – Übersetzen und Dolmetschen: Ein Nachschlagewerk aus der Praxis für Sprachmittler und Auftraggeber” schlägt eine Brücke zwischen den verschiedenen Lagern. Es ist ganz neu im BDÜ Fachverlag erschienen und stellt ein umfassendes Nachschlagewerk zur Verfügung, in der Sprachmittler und auch Übersetzungskunden sich über die gängigsten Best-Practices in der Branche informieren können.

Die Inhalte

Die fast 400 Seiten des Buchs sind prall gefüllt. Die verschiedenen Kapitel behandeln jeweils Teilaspekte der Sprachmittlerarbeit und wurden von mehreren Autoren geschrieben, um viele Perspektive zu sammeln und so das Problem des Tunnelblicks zu umgehen. Im Anschluss bietet das Buch einen Teil mit Checklisten und Vorlagen und ein Glossar.

Folgende Kapitel sind im Buch enthalten:

  1. Anfragen, Ausschreibungen und Angebote für Übersetzungsdienstleistungen
  2. Übersetzerauswahl
  3. Übersetzungsprozess
  4. Qualitätssicherungsmaßnahmen
  5. Evaluierung
  6. Normen, Richtlinien und Leitfäden
  7. Risikomanagement
  8. Translation-Memory-Systeme
  9. Maschinelle Übersetzung und Postediting
  10. Terminologie
  11. Informationssicherheit
  12. Dolmetschen
  13. Übersetzerarbeitsplatz

Auf den ersten Blick fällt auf, dass nur ein Kapitel den eigentlichen Übersetzungsprozess bespricht. Die 12 anderen Kapitel stellen die vielfältigen Fachkenntnisse, Ausstattungskomponenten, betriebliche und technische Wissensvoraussetzungen und rechtliche Rahmenbedingungen vor, die Übersetzer auch beherrschen müssen.

Besonders hilfreich: Checklisten und Vorlagen

Dieses Buch ist keine Feierabendlektüre, die zum leichten Lesegenuss einlädt. Die Kapitel sind sehr detailliert und ausführlich, so dass die vielen Informationen überwältigen können. Die zur Verfügung gestellten Checklisten und Vorlagen bringen die Kapitel auf den Punkt und machen es leicht, die eigenen Arbeitsabläufe und -gewohnheiten zu überprüfen und gegebenenfalls zu verbessern. Die Listen stehen aus Word- und Excel-Dateien zum Download zur Verfügung und lassen sich damit ganz leicht anpassen oder mit Kommentaren versehen. Ein sehr nützliches Angebot.

Das Publikum

Das Buch wendet sich an Sprachmittler und Auftraggeber. Unter den Übersetzern und Dolmetschern dürften alle davon profitieren zu erfahren, was andere aus ihrer Branche als empfehlenswerte Praktiken ansehen. Übersetzungsagenturen, Behörden, Unternehmen und Institutionen auf der Auftraggeberseite finden in diesem Buch erfahrungsbasierte Empfehlungen für gute Zusammenarbeit, die Wahl der richtigen Übersetzer und der Terminologiepflege.

Fazit

Eine gute Ergänzung im Regal, die bei konkreten Fragen hilft und den Blick für Verbesserungspotential in der eigenen Arbeitsweise schärft.


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Else Gellinek ist Deutsch-Amerikanerin, bilinguale Linguistin und Übersetzerin mit Schwerpunkt auf Marketing und Unternehmenskommunikation sowie Lektorin für Englisch als Fremdsprache. Im Guckloch Blog gewährt sie Kunden Einblicke in Übersetzungsvorgänge und Aspekte der Übersetzungsqualität. Sie ist davon überzeugt, dass sowohl Kunden als auch Übersetzer davon profitieren, wenn die geheimen Vorgänge im Kopf des Übersetzers transparent gemacht werden.

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