Gute Übersetzer finden: Die Nadel im Heuhaufen suchen?

(Gute) Übersetzer*innen sind auf Google schwer zu finden

Vielleicht ist es Ihnen auch schon passiert: Sie brauchen eine englische Übersetzung einer Broschüre. Dafür müssen Sie einen guten Übersetzer finden. Sie setzen sich also an den Rechner und recherchieren. Bei Google tippen Sie Suchbegriffe wie “Übersetzer Englisch Deutsch” ein.

Ungefähr so sehen Ihre Suchergebnisse aus:

  • Die ersten 2 Seiten sind Online-Wörterbüchern oder -Übersetzungsmaschinen gewidmet, die Ihnen direkt Ihre Suchbegriffe übersetzen wollen. Aber Sie suchen ja nicht nach der englischen Übersetzung für das Wort „Übersetzer“.
  • Dann kommt ein Schwung an namenlosen Übersetzungsagenturen. Da wissen Sie ja auch nicht, mit wem Sie es zu tun haben.
  • Danach kommen Artikel über die Online-Wörterbücher und -Übersetzungsmaschinen, die Sie bereits auf den ersten 2 Seiten bewundert hatten.
  • Und erst dann kommen vereinzelt Treffer für echte, menschliche Übersetzer*innen.

Nicht gerade sehr effizient. Ich verrate Ihnen, wo Sie schneller und ohne unnütze Suchergebnisse fündig werden.

Der Weg zu guten Übersetzern

Wie sollen Sie also jetzt gute Übersetzer*innen entdecken, wenn Sie über Google so viele sinnlose Treffer erhalten?

Hier haben Sie ein paar Ideen:

Persönliche Empfehlung

Am besten ist es doch, wenn jemand anders Ihnen sagen kann, wer eine gute Übersetzerin für Ihr Projekt wäre.

Arbeiten Sie bereits mit Übersetzer*innenn zusammen? Dann fragen Sie sie doch nach Empfehlungen. Im direkten oder erweiterten Netzwerk finden sich vielleicht jemand geeignetes. Dann müssen Sie nicht mit einer völlig unbekannten Person zusammenarbeiten.

Haben Sie noch gar keinen Kontakt zu Übersetzern, fragen Sie in Ihrem Netzwerk, ob jemand eine Empfehlung aussprechen kann.

Tatsächlich ist es auch nicht so, dass alle Übersetzer*innen eine eigene Internetpräsenz haben. Sie erhalten ihre Aufträge durch Empfehlung – ein Gütesiegel an sich.

Professionelle Portale

Es gibt zahlreiche Onlineportale, die darauf spezialisiert sind, Übersetzerdienste zu vermitteln. Übersetzer*innen können dort Profile anlegen und ihre Dienstleistungen beschreiben. Das mag zunächst bequem erscheinen, da Sie an einem Ort aus einer ganzen Reihen von Anbietern “shoppen” können. Hier gibt es allerdings in der Regel keine Qualifikationskriterien. Somit sind diese Portale häufig mit Laien-Übersetzer*innen bestückt. Und die suchen Sie ja gerade nicht!

Schauen Sie lieber bei XING oder LinkedIn vorbei. Professionelle Übersetzer sind dort durchaus vertreten und gut über die Suche auffindbar. Obwohl auch XING und LinkedIn keine Qualitätskontrolle für ihre Einträge übernehmen, ist die Wahrscheinlichkeit als auf den Vermittlungsportalen, dass Sie hier jemanden finden, der sich als Profi positioniert höher.

Berufsverbände

Anstatt ziellos Google zu bemühen, nutzen Sie lieber das Suchangebot von Übersetzer-Berufsverbänden.

Auf ihren Websites können Sie gezielt in den Reihen ihrer Mitglieder nach den passenden Kandidat*innen recherchieren. So können Sie beispielsweise nach bestimmten Sprachrichtungen oder Fachgebieten suchen.

Schauen Sie beispielsweise hier:

In Deutschland

  • BDÜ – Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer
  • ATICOM – Fachverband der Berufsübersetzer und Berufsdolmetscher

Im Ausland

  • ATA – American Translators Association
  • CIoL – Chartered Institute of Linguists
  • ITI – Institute of Translation and Interpretation
  • SFR – Société Française des Traducteurs

Kriterien für gute Übersetzer

Aber wie sollen Sie wissen, welche gut sind? Wonach halten Sie Ausschau? Auch wenn Sie ein Handvoll geeignet aussehender Treffer erhalten, wie entscheiden Sie sich für einen Anbieter? Hier habe ich ein paar Tipps, um die Auswahl zu erleichtern.

Zunächst: Der Beruf des Übersetzers ist in Deutschland nicht geschützt. Somit gibt es auch keinen allgemeingültigen Mindeststandard, nach dem Sie schauen können.

Sie können auch nicht voraussetzen, dass alle Übersetzer den gleichen Bildungsweg verfolgt haben. Dazu ist der Beruf zu vielfältig. Sprachkenntnisse können durch eine bikulturelle Erziehung, Kurse oder Auslandsaufenthalte erworben worden sein. Fachliche Kenntnisse in Spezialisierungen können aus dem Berufsleben stammen, durch ein Studium erworben worden sein oder komplett selbst erarbeitet sein.

Tatsächlich ist es auch so, dass Quereinsteiger ohne Übersetzerstudium genauso talentierte Übersetzer wie ihre studierten Kolleg*innnen sein können.

Das mag entmutigend klingen. Trotzdem sind hier einige Kriterien, die auf professionell arbeitende Übersetzer schließen lassen:

Spezialisierung auf Fachgebiete

Alleskönner können nichts richtig. Niemand kann gleich gut Rechts-, Technik, Medizin- und Werbetexte übersetzen. Seriöse Übersetzer*innen konzentrieren sich auf eine Auswahl von Fachgebieten, in denen sie sich Expertenwissen aneignen. Schauen Sie also genau hin, welche Schwerpunkte auf der Website genannt werden.

Übersetzung vorzugsweise in die Muttersprache

Die gängige Annahme ist, dass man keine Sprache so gut wie die Muttersprache beherrscht. Wer in eine Zweitsprache übersetzt, wird demzufolge weniger idiomatisch und flüssig schreiben als in der Muttersprache.

In Deutschland übersetzen viele aus ihrer deutschen Muttersprache ins Englische. Das mag man unterschiedlich bewerten, aber es ist sicherlich so, dass für kundenorientierte Texte lieber Muttersprachler*innen beauftragt werden sollten.

Mitgliedschaft im Berufsverband

Für die Aufnahme werden oft Mindestqualifikationen oder eine Mindestmaß an praktischer Erfahrung verlangt. Einige machen zudem eine Mindestmenge an jährlicher Weiterbildung zum Kriterium für den Bestand der Mitgliedschaft. Wer hier Mitglied ist, ist also qualifiziert.

Hinzu kommt, dass die meisten Berufsverbände eine Berufsordnung haben, der Mitglieder zustimmen müssen. Eine Mitgliedschaft deutet also auf professionales Gebaren hin. (siehe beispielsweise der BDÜ Ehrenkodex) Gleich zwei gute Gründe, die Mitgliedersuche der Berufsverbände zu nutzen.

Ganz banal: Wie reagieren diese Übersetzer*innen auf Ihre Anfrage?

Zügig und mit relevanten Fragen und Antworten? Oder eher verspätet und ohne auf Ihr Anliegen einzugehen? Sie wollen nicht nur gute Übersetzer*innen, sondern auch kommunikative und zuverlässige finden.

 

Sollten Sie hiernach immer noch nicht die richtige Person gefunden haben, dürfen Sie mir gerne schreiben. Ich höre mich gerne für Sie in meinem Netzwerk um.

PS Wollen Sie mehr darüber wissen, wie Sie sinnvoll Übersetzungen in Auftrag geben? Schauen Sie im Info-Regal nach! Dort finden Sie mehrere hilfreiche Checklisten und Erläuterungen zum kostenlosen Download.

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