Externes Lektorat bei Übersetzungen: Was Sie davon haben

Die Wichtigkeit des Vier-Augen-Prinzips

Reden wir mal über Sinn und Unsinn eines externen Lektorats! Erstelle ich Übersetzungen, die veröffentlicht werden sollen, sind die Kosten für ein Lektorat meiner Übersetzungen im Angebotspreis einkalkuliert. Für Übersetzungen, die nicht für Öffentlichkeitszwecke gedacht sind, biete ich ein externes Lektorat als zusätzliche Option an.

Bei Kund*innen kommen dabei gelegentlich Zweifel, warum so ein Lektorat nötig sei. Ob ich denn nicht sorgfältig arbeite, wird gefragt. Natürlich tue ich das – siehe unten –, aber ich kann mein eigenes Gehirn nicht überlisten.

Welches Lektorat machen Übersetzer*innen bei den eigenen Texten?

Selbstverständlich gehört zur Erstellung von Übersetzungen, dass man sorgfältig, systematisch und mehrfach das Endprodukt kontrolliert.

Was ich überprüfe:

  • Ist alles aus dem Originaltext übersetzt? Sind alle Zahlen, Daten und Maßangaben richtig übernommen und bei Bedarf für die neue Zielgruppe adaptiert worden?
  • formale Aspekte:
    • Sind die Schriftarten wie im Originaltext
    • Einheitlichkeit der Formatierung
      • Überschriften
      • Zahlen und Daten
      • Bildunterschriften
    • korrekte Paginierung
    • Korrektheit der Bildunterschriften
    • Sind alle Tabellen und Graphiken übersetzt?
  • Stilistische Aspekte
    • Stimmen die Tonalität und das Register?
    • Packen die Überschriften die Aufmerksamkeit?
    • Ist der Text klar strukturiert und gefällig formuliert?
    • Gibt es redundante Formulierungen oder Wiederholungen?

Als letzte Amtshandlung lasse ich mir gerne am Rechner kürzere Texte vorlesen. Da entdecke ich häufig Stellen, die mir bislang entgangen sind, aber noch optimiert werden können.

Erlaubt es mir die Zeit, lasse ich den Text zwischendurch liegen, um wieder Abstand zu gewinnen. Und TROTZDEM entwischen mir immer Sachen!

Warum das superschlaue Gehirn Fehler einfach überliest

Gehirne sind sparsame Organe. Kennen sie etwas schon, dann müssen sie ihm nicht mehr so viel Aufmerksamkeit widmen. Sie setzen es also als bekannt voraus, widmen anderen Sachen ihre Energie und halten dadurch ihren Energieumsatz gering. So reichen oft Anfangs- und Endlaut eines bekannten Wortes, um vom Gehirn automatisch ergänzt und dann erkannt zu werden. Bei geübten Leser*innen kann man das gut verfolgen: Sie arbeiten nicht mehr die einzelnen Buchstaben ab (wie es Leseanfänger*innen tun) sondern ihre Augen hüpfen über die Zeilen, während ihr Auge nur hie und da landet. Ganz schön schlau! Und ganz schön schnell.

Für die Textarbeit ist diese Eigenschaft unseres Gehirns wenig geeignet. Unser Auge tanzt dabei lustig über Fehler hinweg. Wussten Sie, dass gerade Fehler in Überschriften mit Vorliebe übersehen werden?  Dort, wo sie jedem frischen Auge sofort auffallen, aber unseren betriebsblinden Augen verborgen bleiben.

Es gibt diverse Korrekturmethoden, die versuchen, diese Eigenschaft des Gehirns auszutricksen. So kann man einen Text rückwärts und Wort für Wort lesen, um Rechtschreib- und Tippfehler zu entdecken. Oder man teilt die Korrekturgänge auf und kontrolliert immer nur einen Aspekt. Also liest man erst alle Überschriften, dann kontrolliert man alle Zahlen und dann wird die gesamte Zeichensetzung korrigiert. Manche ändern die Schriftart oder –größe, oder sie stellen die Ränder ganz anders ein. Das sind alles Versuche, dem Gehirn vorzugaukeln, dass hier ein ganz neuer Text vorliegt, damit er wieder alle Ressourcen dafür freigibt.

Keine dieser Methoden kann aber verhindern, dass einem der Text mit jedem Korrekturgang vertrauter wird. Das Gehirn versucht sich mit aller Macht ins Autopilot zu schalten. Daher kommt die Betriebsblindheit, dass wir in unseren eigenen Texten die auffälligsten Tippfehler einfach überlesen.

Externe Lektor*innen: Die Rettung

Hier schlägt die Sternstunde der externen Lektor*innen: Sie sehen unsere Texte zum ersten Mal. Sie gehen unvoreingenommen an die Sache ran und entdecken sofort die auffälligen, oberflächlichen Fehler, die unser eigenes Gehirn vor uns verbirgt. Zusätzlich bieten sie eine zweite Verständnisüberprüfung des zu übersetzenden Textes. Unser raffiniertes Gehirn ist uns nämlich immer eine Nasenlänge voraus. Gibt es Formulierungen, die nicht eindeutig sind, merken wir das nicht immer, dass unser schlauer Kopfcomputer sich eine Lesart aussucht und sofort mit Volldampf weiter durch den Text rast. Das Gehirn meiner Lektorin ist natürlich genau so schnell, kommt aber teilweise auf ein anderes Verständnis fraglicher Stellen. Eine hervorragende Kontrolle, ob wirklich alles im Text im Sinne der Autor*innen verstanden wurde.

Lektor*innen sind außerdem wunderbare Stildetektiv*innen. Meine weiß, welche Formulierungen ich bevorzugt verwende und eventuell dabei überstrapaziere. Sie kann Passagen, die trotz aller Arbeit nicht flutschen wollen, mit einem Kniff zu einem geschmeidigen Wortfluss verhelfen.

Kurzum, sie tut das, was Lektor*innen tun: Sie verbessert meine Texte. Dadurch erhalten Sie bessere Übersetzungen.

Warum würden Sie diesen Service denn nicht wollen?

 

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